1328 n. Chr. – 1337 n. Chr.
Tödliche Vorzeichen
Die Spannungen begannen mit dem Tod des französischen Königs Karl IV., der keinen männlichen Erben hinterließ. Edward III. von England erhob als Neffe des Verstorbenen Anspruch, doch der französische Adel wählte Philipp VI. von Valois. Wirtschaftliche Konflikte um die Wolle in Flandern und die englische Enklave Guyenne verschärften die Lage massiv. Als Philipp 1337 das Herzogtum Aquitanien beschlagnahmte, erklärte Edward den Krieg. Es war der Auftakt zu einem Konflikt, der die mittelalterliche Ordnung aus den Angeln heben sollte.
1346 n. Chr.
Die Schlacht von Crécy
Diese Schlacht erschütterte das ritterliche Europa in seinen Grundfesten. Das zahlenmäßig weit unterlegene englische Heer besiegte die französische Ritterelite durch den massiven Einsatz von Langbogenschützen. Die französischen Ritter, die auf den Frontalangriff setzten, wurden im Pfeilhagel regelrecht niedergemäht, bevor sie die englischen Linien überhaupt erreichten. Crécy bewies, dass die Ära der schwer gepanzerten Kavallerie als alleinige Entscheidungsgewalt auf dem Schlachtfeld endete. Edward III. sicherte sich durch diesen Sieg die strategisch wichtige Stadt Calais.
1347 n. Chr. – 1356 n. Chr.
Schwarzer Tod und Schwarzer Prinz
Mitten im Krieg brach die Pest über Europa herein und zwang beide Seiten zu einer grausamen Atempause, während Millionen starben. Danach trat Edward of Woodstock, bekannt als der „Schwarze Prinz“, auf den Plan und führte verheerende Raubzüge (Chevauchées) durch Frankreich. In der Schlacht von Poitiers (1356) gelang ihm das Unmögliche: Er nahm den französischen König Johann II. gefangen. Dies stürzte Frankreich in ein politisches Chaos und führte zu massiven Lösegeldforderungen. Die englische Überlegenheit schien zu diesem Zeitpunkt absolut zu sein.
1380 n. Chr. – 1413 n. Chr.
Die Mächte des Wahnsinns
Nach einer Phase des französischen Rückscheins unter Karl V. versank Frankreich erneut im Chaos, als König Karl VI. dem Wahnsinn verfiel. Er glaubte zeitweise, er bestünde aus Glas und könne zerbrechen, was die Regierungsfähigkeit des Landes lähmte. In diesem Machtvakuum entbrannte ein blutiger Bürgerkrieg zwischen den Häusern Burgund und Orléans (Armagnacs). England, das selbst mit internen Revolten beschäftigt war, beobachtete den Zerfall des Gegners genau. Diese Schwächephase bot die perfekte Gelegenheit für eine neue englische Invasion.
1415 n. Chr.
Die Schlacht von Azincourt
Unter dem ehrgeizigen König Heinrich V. landeten die Engländer erneut in Frankreich und errangen bei Azincourt einen ihrer legendärsten Siege. Trotz tiefer Schlammböden und einer enormen französischen Übermacht triumphierten die englischen Bogenschützen erneut. Ein Großteil des französischen Hochadels fiel oder wurde gefangen genommen, was Frankreich militärisch enthauptete. Im Vertrag von Troyes wurde Heinrich V. schließlich zum Erben der französischen Krone ernannt. Es schien, als würde Frankreich bald komplett englisch werden.
1419 n. Chr. – 1428 n. Chr.
Mord, Intrigen und Verrat
Die Ermordung des Herzogs von Burgund, Johann Ohnefurcht, durch die Anhänger des Dauphins (des französischen Thronfolgers) trieb die Burgunder endgültig in die Arme Englands. Diese Allianz machte den Widerstand des Dauphins, Karl VII., fast aussichtslos, da er aus Paris vertrieben wurde und im Süden isoliert war. Verrat war an der Tagesordnung, und die Moral der französischen Truppen war auf dem Tiefpunkt. Die Engländer belagerten schließlich Orléans, das letzte Bollwerk, das den Weg in den Süden Frankreichs versperrte. In dieser dunkelsten Stunde brauchte Frankreich ein Wunder.
1429 n. Chr. – 1431 n. Chr.
Die Jungfrau von Orléans
Dieses Wunder erschien in Form eines jungen Bauernmädchens namens Jeanne d’Arc (Johanna von Orléans), die behauptete, göttliche Visionen zu haben. Sie überzeugte den Dauphin, ihr eine Armee anzuvertrauen, und hob in kürzester Zeit die Belagerung von Orléans auf. Ihr religiöser Eifer und ihr unerschütterlicher Glaube gaben den französischen Soldaten neuen Mut und führten zur Krönung Karls VII. in Reims. Obwohl sie später von den Burgundern gefangen genommen und von den Engländern als Hexe verbrannt wurde, war die Wende vollzogen. Ihr Opfertod machte sie zur Märtyrerin und zum Nationalsymbol Frankreichs
1453 n. Chr.
Die Schlacht bei Castillon
Die letzte große Schlacht des Krieges markierte den endgültigen Sieg der Franzosen, diesmal durch den Einsatz einer neuen Wunderwaffe: der Artillerie. Unter der Führung der Brüder Bureau wurden die englischen Truppen durch massives Kanonenfeuer besiegt. Mit dem Fall von Bordeaux endete die englische Herrschaft über Aquitanien nach über 300 Jahren. Ein formeller Friedensvertrag wurde nie unterzeichnet, doch die Engländer zogen sich fast vollständig vom Festland zurück (außer Calais). Frankreich ging aus den Trümmern als geeinte Großmacht hervor, während England in die Rosenkriege stürzte.