Der Vormärz

1815 n. Chr. – 1848 n. Chr.

Der Vormärz bezeichnet die Epoche in der deutschen Geschichte, die dem Ausbruch der Märzrevolution von 1848 vorausging. Nach dem Sieg über Napoleon hofften viele Menschen auf einen deutschen Nationalstaat und bürgerliche Freiheitsrechte. Die Fürsten reagierten jedoch mit einer strengen Restaurationspolitik, um ihre alte Macht zu sichern und liberale Bewegungen zu unterdrücken. Trotz Zensur, Berufsverboten und Spitzelwesen formierte sich im Untergrund und im Exil ein immer stärkerer politischer Widerstand. Gleichzeitig war die Zeit von schwerer Armut und der beginnenden Industrialisierung geprägt, was zu sozialem Elend in der Bevölkerung führte (Pauperismus). Flugblätter und politische Lieder wurden zu den Waffen der Oppositionellen gegen die Obrigkeit. Je länger die Unterdrückung dauerte, desto größer wurde der Druck im gesellschaftlichen Kessel. Schließlich entlud sich die aufgestaute Unzufriedenheit im Frühjahr 1848 in einer gewaltigen revolutionären Welle. Der Vormärz gilt somit als die entscheidende Wiege der demokratischen Tradition in Deutschland.

Der Vormärz
1814 n. Chr.1815 n. Chr.

Der Wiener Kongress

Nach dem Sturz Napoleons trafen sich die führenden Staatsmänner Europas in Wien, um die Landkarte des Kontinents neu zu ordnen. Unter der Leitung des österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich standen die Prinzipien der Restauration und Legitimität im Vordergrund. Die alten monarchischen Herrschaftsstrukturen sollten wiederhergestellt und die revolutionären Ideen Frankreichs endgültig eingedämmt werden. Die Delegierten einigten sich auf ein System des europäischen Gleichgewichts, um künftige Kriege zwischen den Großmächten zu verhindern. Die Hoffnungen der deutschen Bevölkerung auf einen geeinten Nationalstaat wurden dabei jedoch völlig ignoriert. Stattdessen sicherten die Fürsten ihre eigene Souveränität und schufen eine lose Föderation. Der Wiener Kongress legte damit den Grundstein für die politischen Konflikte des Vormärz.

1815 n. Chr.1848 n. Chr.

Das System Metternich

Dieses System beschreibt die ultrakonservative Politik des österreichischen Staatskanzlers Klemens Wenzel Lothar von Metternich. Sein erklärtes Ziel war es, die absolute Monarchie und die bestehende Ordnung in Europa um jeden Preis stabil und unverändert zu halten. Um das Aufkommen von Liberalismus, Demokratie und Nationalismus zu verhindern, errichtete Metternich einen lückenlosen Überwachungsstaat. Durch die Karlsbader Beschlüsse wurden Universitäten überwacht, die Presse zensiert und politische Organisationen verboten. Ein weitreichendes Netz aus Spitzeln und Denunzianten sorgte dafür, dass Kritiker des Regimes verhaftet oder ins Exil getrieben wurden. Dieses System der Angst lähmte das politische Leben in den deutschen Staaten für Jahrzehnte, steigerte aber gleichzeitig den inneren Groll der Bevölkerung.

1815 n. Chr.1848 n. Chr.

Biedermeier

Das Biedermeier ist die kulturgeschichtliche Kehrseite des Vormärz und beschreibt die Flucht der Bürger in die unpolitische Privatsphäre. Da öffentliche politische Betätigung strengstens bestraft wurde, zogen sich die Menschen enttäuscht und resigniert in ihre eigenen vier Wände zurück. Ideale dieser Epoche waren Familie, Häuslichkeit, Geselligkeit im kleinen Kreis sowie die Pflege von Kunst, Musik und Literatur. Man gestaltete die Wohnungen gemütlich, pflegte den eigenen Garten und mied tunlichst jeden Konflikt mit der Staatsmacht. Berühmte Maler wie Carl Spitzweg fingen diese scheinbar idyllische, aber oft auch spießbürgerliche Welt in ihren Bildern ein. Hinter der friedlichen Fassade des Biedermeier verbarg sich jedoch häufig eine tiefe Melancholie über die Unfreiheit der Zeit.

1815 n. Chr.1866 n. Chr.

Der Deutsche Bund

Der Deutsche Bund wurde auf dem Wiener Kongress als loser Staatenbund von 35 Fürstentümern und 4 freien Städten gegründet. Er besaß keine gemeinsame Regierung, kein Oberhaupt und keine einheitliche Gesetzgebung, sondern lediglich den Bundestag in Frankfurt als Gesandtenkongress. Hauptaufgabe des Bundes war die innere und äußere Sicherheit sowie die Aufrechterhaltung der fürstlichen Macht gegen revolutionäre Bestrebungen. Für die national und liberal gesinnten Bürger war dieser Bund eine herbe Enttäuschung, da er die deutsche Kleinstaaterei zementierte. Anstatt Freiheit und Einheit zu fördern, entwickelte sich das Bündnis unter der Führung Österreichs und Preußens zu einem Werkzeug der Unterdrückung. Jede Reformbewegung wurde durch Bundesbeschlüsse, wie etwa die berüchtigten Karlsbader Beschlüsse von 1819, im Keim erstickt.

1832 n. Chr.

Das Hambacher Fest

Das Hambacher Fest auf einer Schlossruine in der Pfalz gilt als der absolute Höhepunkt der frühdemokratischen Bewegung in Deutschland. Inspiriert von der französischen Julirevolution von 1830 zogen rund 30.000 Menschen aus allen Gesellschaftsschichten – darunter auch viele Frauen und internationale Gäste – den Schlossberg hinauf. Sie demonstrierten mutig für nationale Einheit, Pressefreiheit, Bürgerrechte und ein geschwisterliches Europa der freien Völker. Zum ersten Mal wurde die schwarz-rot-goldene Fahne in großer Zahl als Symbol für die deutsche Freiheit mitgeführt. Hauptorganisatoren wie die Journalisten Siebenpfeiffer und Wirth hielten flammende Reden gegen die Fürstenherrschaft. Die Reaktion der Obrigkeit ließ nicht lange auf sich warten: Das Fest wurde im Nachhinein als Hochverrat eingestuft, die Truppenpräsenz verschärft und die Zensur nochmals drastisch angezogen.

1848 n. Chr.1849 n. Chr.

Die Deutsche Revolution

Angestachelt durch die Februarrevolution in Paris brach im März 1848 auch in den deutschen Staaten eine gewaltige revolutionäre Bewegung aus. In fast allen Residenzstädten kam es zu Massendemonstrationen und blutigen Barrikadenkämpfen, woraufhin die erschrockenen Fürsten nachgeben mussten. Sie setzten liberale „Märzministerien“ ein und versprachen Reformen sowie die Ausarbeitung einer Verfassung. Die Kernforderungen der Revolutionäre waren Grundrechte, Pressefreiheit und die Schaffung eines deutschen Nationalstaates. Die Revolution führte zur Wahl des ersten gesamtdeutschen Parlaments in Frankfurt. Doch der anfängliche Triumph täuschte, da die alten Eliten das Militär weiterhin kontrollierten und die Revolutionäre sich in ihren Zielen zunehmend zerstritten. Letztlich schlug die Konterrevolution die Bewegung gewaltsam nieder, womit der Traum von Freiheit und Einheit vorerst scheiterte.

1848 n. Chr.1849 n. Chr.

Die Frankfurter Nationalversammlung

Die Frankfurter Nationalversammlung war das erste frei gewählte Parlament für ganz Deutschland und tagte in der Frankfurter Paulskirche. Die Abgeordneten, die mehrheitlich aus dem akademischen Bildungsbürgertum stammten, standen vor der monumentalen Aufgabe, einen Nationalstaat zu gründen und eine Verfassung auszuarbeiten. Monatelang debattierten sie über den künftigen Grenzverlauf (großdeutsche oder kleindeutsche Lösung) und den Katalog der Grundrechte. Im März 1849 verabschiedeten sie schließlich die Paulskirchenverfassung, die eine konstitutionelle Monarchie vorsah. Als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die ihm angebotene deutsche Kaiserkrone jedoch hochmütig ablehnte, war das Projekt gescheitert. Die Nationalversammlung löste sich auf, und die Abgeordneten mussten unter dem Druck der herannahenden Soldaten fliehen.