1890 n. Chr. – 1914 n. Chr.
Das Wettrüsten
Das Wettrüsten (ca. 1890–1914) bezeichnet den militärischen Aufrüstungswettlauf der europäischen Großmächte in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg. Besonders zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien kam es ab etwa 1900 zu einem intensiven Flottenwettrüsten. Neue Waffen und Technologien wie moderne Schlachtschiffe, Maschinengewehre und schwere Artillerie wurden in großer Zahl entwickelt. Das Wettrüsten verstärkte Misstrauen und Spannungen zwischen den Staaten. Es trug wesentlich dazu bei, dass der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wahrscheinlicher wurde.
1914 n. Chr.
Die Julikrise
Julikrise (28. Juni – 28. Juli 1914) bezeichnet die diplomatische Eskalation nach dem Attentat von Sarajevo. Nach dem Mord an Erzherzog Franz Ferdinand stellte Österreich-Ungarn mit Unterstützung des Deutschen Reiches ein scharfes Ultimatum an Serbien. Die teilweise Ablehnung des Ultimatums führte zur Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914. In den folgenden Tagen griffen die Bündnissysteme: Russland, Deutschland, Frankreich und Großbritannien wurden in den Konflikt hineingezogen. Die Julikrise markiert den unmittelbaren Übergang von einer politischen Krise zum Ersten Weltkrieg.
1914 n. Chr.
Der Schlieffen Plan
Schlieffen-Plan (1905–1914) war der strategische Kriegsplan des Deutschen Reiches für einen möglichen Zweifrontenkrieg. Er sah vor, Frankreich über einen schnellen Angriff durch Belgien innerhalb weniger Wochen zu besiegen. Anschließend sollte sich das deutsche Heer gegen Russland wenden, das als langsamer mobilisierend eingeschätzt wurde. Die Verletzung der belgischen Neutralität führte 1914 zum Kriegseintritt Großbritanniens. Das Scheitern des Plans trug wesentlich zur Entstehung des Stellungskrieges bei.
1914 n. Chr. – 1918 n. Chr.
Der erste Luftkrieg
Der erste Luftkrieg (1914–1918) entwickelte sich im Verlauf des Ersten Weltkriegs mit dem Einsatz von Flugzeugen und Luftschiffen. Anfangs dienten Flugzeuge vor allem der Aufklärung, später wurden sie auch für Luftkämpfe und Bombenangriffe eingesetzt. Es entstanden Jagdflugzeuge, Bomber und die ersten Luftabwehrmaßnahmen. Besonders bekannt sind Luftkämpfe zwischen Jagdfliegern wie den „Fliegerassen“. Der Luftkrieg eröffnete eine völlig neue Dimension der modernen Kriegsführung.
1914 n. Chr.
Die Erste Schlacht an der Marne
Erste Schlacht an der Marne (6.–12. September 1914) stoppte den deutschen Vormarsch auf Paris zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Französische und britische Truppen konnten den deutschen Schlieffen-Plan entscheidend aufhalten. Der überraschende Gegenangriff zwang die deutschen Armeen zum Rückzug. Dadurch scheiterte der geplante schnelle Sieg über Frankreich. Die Schlacht leitete den Übergang zum jahrelangen Stellungskrieg an der Westfront ein.
1914 n. Chr. – 1918 n. Chr.
U-Boot Krieg
Der U-Boot-Krieg (1914–1918) war die maritime Kriegsführung mit Unterseebooten, vor allem durch das Deutsche Reich. Ziel war es, die britische Seeblockade zu brechen und den Nachschub zu unterbinden. Am 7. Mai 1915 wurde das britische Passagierschiff Lusitania von einem deutschen U-Boot versenkt, wobei über 1.000 Menschen starben, darunter viele US-Bürger. Dieses Ereignis verschärfte die internationale Kritik an Deutschland erheblich. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg ab 1917 trug schließlich entscheidend zum Kriegseintritt der USA bei.
1914 n. Chr. – 1918 n. Chr.
Krieg in den Kolonien
Krieg in den Kolonien (1914–1918) bezeichnet die militärischen Auseinandersetzungen außerhalb Europas während des Ersten Weltkriegs. Gekämpft wurde vor allem in den afrikanischen Kolonien der europäischen Mächte sowie im Pazifikraum. Deutsche Kolonien wie Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika wurden von alliierten Truppen angegriffen. Besonders langwierig war der Guerillakrieg unter Paul von Lettow-Vorbeck in Ostafrika. Die kolonialen Kriege banden viele Ressourcen und betrafen vor allem die lokale Bevölkerung schwer.
1914 n. Chr.
Das Attentat von Sarajewo
Am 28. Juni 1914 wurde der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajevo von dem serbisch-nationalistischen Attentäter Gavrilo Princip erschossen. Das Attentat verschärfte die Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien massiv. Österreich-Ungarn machte Serbien verantwortlich und stellte ein scharfes Ultimatum. Nach dessen Ablehnung erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg. Damit löste das Attentat die Kettenreaktion aus, die zum Ersten Weltkrieg führte.
1915 n. Chr. – 1918 n. Chr.
Der Giftkrieg
Der Giftkrieg (1915–1918) bezeichnet den Einsatz chemischer Waffen im Ersten Weltkrieg. Er begann am 22. April 1915 mit dem ersten großen Giftgasangriff der deutschen Armee bei Ypern in Belgien. Eingesetzt wurden unter anderem Chlorgas, Phosgen und Senfgas, die schwere Verletzungen oder den Tod verursachten. Beide Kriegsseiten nutzten Giftgas trotz internationaler Abkommen. Der Giftkrieg hinterließ langfristige gesundheitliche Schäden bei Soldaten und gilt als besonders grausame Form der Kriegsführung.
1916 n. Chr. – 1917 n. Chr.
Schlacht von Verdun
Schlacht von Verdun (21. Februar – 18. Dezember 1916) war eine der längsten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Die deutsche Armee versuchte, die französischen Truppen durch massive Material- und Menschenverluste „auszubluten“. Verdun entwickelte sich zum Symbol für den erbitterten Stellungskrieg. Hunderttausende Soldaten wurden getötet oder verwundet. Die Schlacht hatte enorme psychologische Bedeutung für Frankreich und Deutschland.
1916 n. Chr. – 1917 n. Chr.
Der Steckrübenwinter
Steckrübenwinter (1916–1917) bezeichnet den extremen Hungerwinter im Deutschen Reich während des Ersten Weltkriegs. Durch Seeblockade, Missernten und Versorgungsprobleme fehlten viele Grundnahrungsmittel. Die Bevölkerung musste sich überwiegend von Steckrüben ernähren, die sonst als Viehfutter galten. Hunger, Unterernährung und Krankheiten nahmen stark zu. Der Steckrübenwinter verschärfte die soziale Not und die Kriegsmüdigkeit erheblich
1916 n. Chr. – 1918 n. Chr.
Der Panzerkrieg
Der Panzerkrieg (1916–1918) begann im Ersten Weltkrieg mit dem ersten Einsatz von Panzern durch Großbritannien. Am 15. September 1916 wurden Panzer erstmals in der Schlacht an der Somme eingesetzt. Ziel war es, den festgefahrenen Stellungskrieg zu durchbrechen. Anfangs waren Panzer technisch unausgereift, entwickelten sich aber rasch weiter. Der Panzerkrieg leitete eine neue Form der mobilen Kriegsführung ein.
1918 n. Chr.
Die Dolchstoßlegende
Dolchstoßlegende (ab 1918) war eine politische Verschwörungserzählung im Deutschen Reich nach dem Ersten Weltkrieg. Sie behauptete, das deutsche Heer sei militärisch unbesiegt gewesen und nur durch Verrat aus der Heimat besiegt worden. Verantwortlich gemacht wurden vor allem Demokraten, Sozialisten und Juden. Die Legende entstand nach dem Waffenstillstand von 1918 und wurde in der Weimarer Republik gezielt verbreitet. Sie untergrub das Vertrauen in die Demokratie und trug zur politischen Radikalisierung bei.
1918 n. Chr.
Wende an der Westfront
Wende an der Westfront (1918) bezeichnet den militärischen Umschwung im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs. Nach dem Scheitern der deutschen Frühjahrsoffensive ab März 1918 verloren die Mittelmächte ihre letzte Angriffskraft. Ab August 1918 gingen die Alliierten mit der sogenannten Hunderttageoffensive zum Gegenangriff über. Der zunehmende Einsatz frischer US-Truppen verstärkte den Druck auf die deutsche Armee. Die Wende führte schließlich zum militärischen Zusammenbruch Deutschlands und zum Waffenstillstand von Compiègne im November 1918.
1919 n. Chr.
Der Friedensvertrag von Versailles
Friedensvertrag von Versailles (28. Juni 1919) regelte die Friedensbedingungen nach dem Ersten Weltkrieg zwischen den Alliierten und dem Deutschen Reich. Deutschland wurde die alleinige Kriegsschuld zugesprochen und zu hohen Reparationszahlungen verpflichtet. Das Militär wurde stark eingeschränkt, und große Gebietsverluste mussten hingenommen werden. Der Vertrag wurde von vielen Deutschen als ungerecht empfunden. Er belastete die junge Weimarer Republik schwer und trug zur politischen Instabilität der Nachkriegszeit bei.