1299 n. Chr. – 1453 n. Chr.
Gründung und Aufstieg
Der Aufstieg begann unter Osman I., der die Schwäche des Byzantinischen Reiches nutzte, um sein Territorium in Kleinasien zu erweitern. Durch eine geschickte Kombination aus Kriegführung und Bündnissen drängten die Osmanen immer weiter nach Europa vor und machten Adrianopel (Edirne) zu ihrer Hauptstadt. Das ultimative Ziel wurde 1453 unter Sultan Mehmed II., dem Eroberer, erreicht: der Fall von Konstantinopel. Diese Eroberung beendete das Mittelalter, sicherte den Osmanen die Kontrolle über die Handelswege zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer und machte die Stadt unter dem Namen Istanbul zum neuen Herz des Reiches. Die schnelle Expansion wurde durch ein hochdiszipliniertes Heer und eine Verwaltung ermöglicht, die fähige Köpfe unabhängig von ihrer Herkunft integrierte.
1300 n. Chr. – 1826 n. Chr.
Die Janitscharen (Die Elite des Sultans)
Die Janitscharen waren die erste stehende Infanterieeinheit Europas und stellten die Leibwache des Sultans dar. Sie wurden durch die sogenannte "Knabenlese" aus christlichen Familien auf dem Balkan rekrutiert, zum Islam bekehrt und militärisch sowie administrativ auf höchstem Niveau ausgebildet. Da sie keine eigene Familie gründen durften (ursprünglich), galt ihre absolute Loyalität nur dem Sultan. In der Blütezeit waren sie unbesiegbar auf dem Schlachtfeld und berühmt für ihre Disziplin und Musikkapellen (Mehterhâne). Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie jedoch zu einem "Staat im Staate" und setzten Sultane ab oder ein, wenn ihre Privilegien bedroht waren. 1826 wurden sie schließlich von Sultan Mahmud II. gewaltsam aufgelöst, nachdem sie sich jedem modernen Reformversuch widersetzt hatten.
1520 n. Chr. – 1566 n. Chr.
Zeit der Blüte (Süleyman der Prächtige)
Unter der Herrschaft von Süleyman I., dem Prächtigen (im Orient "der Gesetzgeber" genannt), erreichte das Reich seine größte geografische, politische und kulturelle Ausdehnung. Er reformierte das Rechtssystem grundlegend und förderte die Künste, was sich in den Meisterwerken des Architekten Sinan, wie der Süleymaniye-Moschee, widerspiegelte. Militärisch drang er bis nach Ungarn vor und belagerte 1529 zum ersten Mal Wien, während seine Flotten das Mittelmeer beherrschten. Das Reich war zu dieser Zeit das wohlhabendste und stabilste Gebilde der Welt und ein Zentrum für Wissenschaft und Handel. Der Hof in Istanbul (Topkapi-Palast) strahlte eine Pracht aus, die ganz Europa faszinierte und zugleich in Schrecken versetzte.
1683 n. Chr. – 1699 n. Chr.
Die Türken vor Wien (Der Große Türkenkrieg)
Die zweite Belagerung Wiens im Jahr 1683 markiert den historischen Wendepunkt, an dem die osmanische Expansion in Europa endgültig gestoppt wurde. Das riesige Belagerungsheer unter Großwesir Kara Mustafa wurde durch ein Entsatzheer unter dem polnischen König Jan Sobieski vernichtend geschlagen. Dies löste den Großen Türkenkrieg aus, in dem eine "Heilige Liga" europäischer Mächte das Osmanische Reich an mehreren Fronten angriff. Im Frieden von Karlowitz (1699) musste der Sultan erstmals große Gebiete (wie Ungarn) dauerhaft abtreten. Von diesem Moment an befand sich das Reich militärisch in der Defensive gegenüber den erstarkenden europäischen Mächten, insbesondere Österreich und Russland.
1718 n. Chr. – 1730 n. Chr.
Die Tulpenzeit
Die Tulpenzeit war eine kurze, aber intensive Phase der kulturellen Blüte und der vorsichtigen Annäherung an Europa unter Sultan Ahmed III. Ihren Namen erhielt sie durch die Leidenschaft der Oberschicht für die Tulpenzucht, die zum Statussymbol und zur regelrechten Manie wurde. Es war eine Zeit des Friedens, der Feste und der Gründung der ersten osmanischen Druckerei durch Ibrahim Müteferrika. Man begann, europäische Architektur und Lebensweise zu kopieren, was sich in prachtvollen Brunnen und Sommervillen am Bosporus zeigte. Doch die soziale Schere zwischen dem verschwenderischen Hof und dem einfachen Volk sowie religiöser Widerstand führten 1730 zu einem blutigen Aufstand, der diese Ära beendete.
1800 n. Chr. – 1922 n. Chr.
Der "kranke Mann am Bosporus" und das Ende
Im 19. Jahrhundert war das Reich technologisch und wirtschaftlich weit hinter Europa zurückgefallen und wurde spöttisch als "kranker Mann am Bosporus" bezeichnet. Die europäischen Mächte (Russland, England, Frankreich) stritten sich um das Erbe des zerfallenden Reiches, während nationale Unabhängigkeitsbewegungen auf dem Balkan (Griechenland, Serbien) das Territorium schrumpfen ließen. Mit den "Tanzimat-Reformen" versuchte der Staat verzweifelt, Verwaltung und Militär zu modernisieren, doch die Schuldenlast bei ausländischen Banken führte zum Staatsbankrott. Der Eintritt in den Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands besiegelte schließlich das Schicksal der Dynastie. Nach der Niederlage und der Besetzung Istanbuls führte Mustafa Kemal Atatürk den Widerstand an, schaffte 1922 das Sultanat ab und rief 1923 die moderne Türkei aus.