1795 n. Chr. – 1804 n. Chr.
Frühromantik (Jenaer Romantik)
Die Frühromantik bildete die theoretische und philosophische Grundlage der gesamten Bewegung und hatte ihr Zentrum in Jena. Junge Denker und Dichter wie Friedrich Schlegel, Novalis und Ludwig Tieck arbeiteten hier eng zusammen, um die Grenzen traditioneller Gattungen aufzubrechen. Friedrich Schlegel formulierte das Konzept der „Progressiven Universalpoesie“, die Leben, Kunst, Wissenschaft und Philosophie miteinander vereinen sollte. In Zeitschriften wie dem Athenaeum veröffentlichten sie Fragmente, Gedichte und philosophische Essays, die das unendliche Streben des Geistes betonten. Novalis schuf mit den Hymnen an die Nacht ein Schlüsselwerk, das die Nacht als Raum der Sehnsucht und Transzendenz der rationalen Tageswelt vorzog. Diese erste Phase war geprägt von intellektuellem Aufbruchswille, poetischem Experimentiergeist und einer tiefen Begeisterung für das Unendliche.
1804 n. Chr. – 1815 n. Chr.
Hochromantik (Heidelberger Romantik)
In der Phase der Hochromantik verlagerte sich das literarische Zentrum nach Heidelberg, wo Autoren wie Achim von Arnim, Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff wirkten. Während die Frühromantik stark theoretisch geprägt war, wandte sich die Hochromantik vermehrt den Volksliteratur-Formen, der Geschichte und der Volkspoesie zu. Mit der Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn erfassten Arnim und Brentano den volkstümlichen Ton und prägten das kulturelle Gedächtnis nachhaltig. Auch die Brüder Grimm begannen in dieser Zeit mit der systematischen Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, um traditionelles Erzählgut zu bewahren. Das Motiv des Wanderns, die Sehnsucht nach der Natur und die Rückbesinnung auf das Mittelalter dienten zudem als emotionale Identifikationspunkte in der Zeit der Napoleonischen Kriege.
1815 n. Chr. – 1835 n. Chr.
Spätromantik (Berliner Romantik)
Die Spätromantik war vor allem durch das literarische Schaffen in Berlin geprägt und wandte sich verstärkt den Schattenseiten der menschlichen Psyche zu. Autoren wie E.T.A. Hoffmann schufen Werke, in denen das Unheimliche, der Wahnsinn, Doppelgänger-Motive und das Dämonische den Alltag durchdrangen. Das Unbewusste und die Abgründe der Seele traten an die Stelle reiner Natursehnsucht, wodurch die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit fließend wurden. Joseph von Eichendorff spiegelte in seiner Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts noch einmal die Sehnsucht nach Freiheit und Wanderschaft wider, reflektierte jedoch zugleich deren Bedrohung durch die bürgerliche Ordnung. Politisch war diese Spätphase von den Restaurationstendenzen des Metternichschen Systems überschattet, weshalb sich viele Künstler zunehmend in Phantasiewelten oder private Zirkel zurückzogen.