1849 n. Chr. – 1858 n. Chr.
Die Reaktionsära
Nach dem Zusammenbruch der Revolution von 1848 setzten die deutschen Monarchen zu einem harten Gegenschlag an, um ihre absolute Autorität wiederherzustellen. In dieser Phase, auch Reaktionszeit genannt, wurden die mühsam erkämpften Grundrechte wieder aufgehoben und die revolutionären Errungenschaften systematisch rückgängig gemacht. Politische Vereine wurden verboten, die Pressezensur wurde extrem verschärft und Demokraten wurden gerichtlich verfolgt, inhaftiert oder ins Exil getrieben. Ein dichtes Netz aus Polizeiüberwachung und Spitzelwesen lähmte das öffentliche politische Leben im Deutschen Bund fast vollständig. Gleichzeitig kam es jedoch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und einer verstärkten Industrialisierung, wodurch die wirtschaftliche Verflechtung der deutschen Staaten trotz politischer Eiszeit zunahm. Erst Ende der 1850er Jahre lockerte sich der Griff der Herrschenden langsam wieder, was den Weg für neue politische Debatten ebnete.
1864 n. Chr.
Der Deutsch-Dänische Krieg
Dieser Konflikt war der erste der drei sogenannten deutschen Einigungskriege und entzündete sich an der Frage um die Zugehörigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Als Dänemark versuchte, das strategisch wichtige Schleswig über eine neue Verfassung enger an den dänischen Kernstaat zu binden, protestierte der Deutsche Bund scharf. Preußen und Österreich beschlossen, entgegen dem Bundestagsbeschluss, eine gemeinsame Militärintervention zu starten, und marschierten in die Herzogtümer ein. Die dänischen Truppen waren der militärischen Übermacht der beiden deutschen Großmächte chancenlos unterlegen und mussten nach kurzer Zeit kapitulieren. Im Frieden von Wien musste Dänemark die Herzogtümer abtreten, die daraufhin von Preußen (Schleswig) und Österreich (Holstein) gemeinsam verwaltet wurden. Dieser Sieg steigerte Bismarcks Prestige enorm und schuf gleichzeitig den perfekten Zündstoff für den nächsten, von ihm einkalkulierten Konflikt mit Österreich.
1866 n. Chr.
Der Deutsche Krieg
Der Deutsche Krieg, oft auch als Bruderkrieg bezeichnet, war die entscheidende Machtprobe zwischen den beiden deutschen Großmächten Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Mitteleuropa. Der Streit um die Verwaltung von Schleswig-Holstein diente Bismarck als willkommener Anlass, um den Deutschen Bund zu sprengen und Österreich zu isolieren. In der kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz siegte die modern ausgerüstete preußische Armee dank der überlegenen Taktik des Generals von Moltke überraschend schnell. Bismarck verzichtete im anschließenden Frieden von Prag bewusst auf Demütigungen oder Gebietsabtretungen Österreichs, um sich den Verlierer als künftigen Verbündeten nicht dauerhaft zu verfeinden. Das Ergebnis war das endgültige Ende des Deutschen Bundes und der Ausschluss Österreichs aus der deutschen Politik (kleindeutsche Lösung). Preußen annektierte mehrere norddeutsche Staaten und stieg zur unumstrittenen Führungsmacht nördlich der Mainlinie auf.
1866 n. Chr. – 1871 n. Chr.
Der Norddeutsche Bund
Nach dem Sieg über Österreich gründete Preußen den Norddeutschen Bund, der den alten Deutschen Bund nördlich der Mainlinie ersetzte. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war dies kein lockerer Staatenbund mehr, sondern der erste echte föderale deutsche Bundesstaat mit einer festen Verfassung. Der preußische König übernahm das Bundespräsidium, während Otto von Bismarck zum ersten Bundeskanzler ernannt wurde. Die Verfassung wies bereits moderne demokratische Elemente auf, wie ein allgemeines Männerwahlrecht für den Reichstag, sicherte aber gleichzeitig die preußische Vormachtstellung und die Macht der Krone ab. Die süddeutschen Staaten blieben zwar formal unabhängig, wurden aber über geheime Schutz- und Trutzbündnisse militärisch fest an Preußen gebunden. Der Norddeutsche Bund funktionierte somit als unmittelbarer Vorläufer und verfassungsrechtliche Blaupause für das spätere Kaiserreich.
1870 n. Chr. – 1871 n. Chr.
Der Deutsch-Französische Krieg
Frankreichs Kaiser Napoleon III. sah die rasche Machtexpansion Preußens mit großer Sorge und suchte nach einer Gelegenheit, den preußischen Einfluss zu begrenzen. Der Streit um eine spanische Thronkandidatur eines Hohenzollern-Prinzen eskalierte, als Bismarck die diplomatische Abweisung des französischen Botschafters in der „Emser Depesche“ bewusst verkürzt und provokant veröffentlichte. Frankreich fühlte sich in seiner Ehre gekränkt und erklärte Preußen den Krieg, wodurch es in den Augen der Welt als Aggressor dastand. Durch die bestehenden Militärbündnisse traten die süddeutschen Staaten sofort an die Seite Preußens, was eine ungeahnte Welle nationaler Begeisterung auslöste. Die deutschen Truppen siegten im September 1870 in der entscheidenden Schlacht bei Sedan, nahmen den französischen Kaiser gefangen und belagerten Paris bis zu dessen Kapitulation. Frankreich musste daraufhin das wirtschaftlich bedeutende Elsass-Lothringen abtreten und hohe Reparationen zahlen, was eine tiefe, jahrzehntelange Erbfeindschaft begründete.
1871 n. Chr.
Die Gründung des deutschen Reichs
Noch während der Belagerung von Paris nutzte Bismarck die euphorische nationale Stimmung des Krieges, um die süddeutschen Staaten zum Beitritt in den Bund zu bewegen. Am 18. Januar 1871 – einem symbolträchtigen Datum der preußischen Monarchie – wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich proklamiert. Vor einer Kulisse aus Generälen, Fürsten und Offizieren wurde der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Diese feierliche Zeremonie im Herzen des besiegten Feindes verdeutlichte den rein militärischen und fürstlichen Charakter der Reichsgründung. Das neue Reich war eine konstitutionelle Monarchie, die jedoch stark von preußischen Traditionen und dem Obrigkeitsstaat geprägt war. Damit war die deutsche Einheit nach Jahrzehnten des Ringens endlich Realität geworden, allerdings nicht als demokratische Republik von unten, sondern als preußisch geführter Militärstaat von oben.