768
Karl der Große war einer der bedeutendsten Herrscher des frühen Mittelalters. Er wurde 768 König der Franken und baute sein Reich durch zahlreiche Feldzüge stark aus. Unter seiner Herrschaft entstand ein großes Reich, das große Teile West- und Mitteleuropas umfasste.
Karl förderte Verwaltung, Bildung und Kirche und leitete eine kulturelle Erneuerung ein, die als karolingische Renaissance bekannt ist. Im Jahr 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt und stellte damit die Idee eines weströmischen Kaisertums wieder her. Seine Herrschaft legte wichtige Grundlagen für die spätere Entwicklung Europas. Nach seinem Tod 814 wurde sein Reich von seinen Nachfolgern weitergeführt, später aber aufgeteilt.
772
Nach dem Tod seines Vaters Pippin der Jüngere wurde Karl gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann I König der Franken. Das Reich wurde zunächst zwischen den beiden Brüdern aufgeteilt, was politische Spannungen verursachte. Nach Karlmanns Tod im Jahr 771 wurde Karl alleiniger Herrscher. Damit konnte er seine Macht ohne innerdynastische Rivalität ausbauen.
Als alleiniger König begann Karl eine aktive Expansionspolitik. Er stärkte die königliche Verwaltung und baute seine militärische Macht aus. Die Grundlage für den späteren Aufstieg des Frankenreiches zur europäischen Großmacht war gelegt.
774
Karl griff in Italien ein und besiegte die Langobarden, die dort ein eigenes Königreich aufgebaut hatten. Ihr König Desiderius wurde abgesetzt. Karl übernahm selbst den Titel „König der Langobarden“.
Dadurch erweiterte sich sein Einfluss auf Norditalien erheblich. Gleichzeitig stärkte er seine politische Verbindung zur Kirche und zum Papst. Italien wurde ein wichtiger Bestandteil seines Reiches. Diese Expansion machte Karl endgültig zu einem der mächtigsten Herrscher Europas.
778
Karl versuchte, seinen Einfluss auch auf die Iberische Halbinsel auszudehnen. Dort kämpften christliche und muslimische Mächte um die Kontrolle verschiedener Gebiete. Karl griff in diese Konflikte ein und führte einen Feldzug über die Pyrenäen.
Der Feldzug verlief jedoch nicht wie geplant und endete mit einem Rückzug. Beim Rückmarsch wurde seine Nachhut in der Roncesvalles-Pass angegriffen. Dieses Ereignis wurde später in der mittelalterlichen Literatur zur berühmten Rolandssage verarbeitet. Trotzdem behielt Karl langfristig Einfluss in Grenzgebieten Nordspaniens.
780
Karl förderte Bildung, Wissenschaft und Verwaltung im gesamten Reich. Gelehrte wie Alkuin von York arbeiteten an seinem Hof. Klöster und Schulen wurden gegründet, und viele antike Texte wurden kopiert und bewahrt.
Eine einheitlichere Schrift (karolingische Minuskel) erleichterte Verwaltung und Bildung. Diese kulturelle Erneuerung wird als karolingische Renaissance bezeichnet. Sie trug dazu bei, Wissen aus der Antike für spätere Generationen zu erhalten. Viele Grundlagen mittelalterlicher Bildung entstanden in dieser Zeit.
800
Am 25. Dezember 800 wurde Karl in Rom von Papst Leo III zum Kaiser gekrönt. Damit entstand ein neues westliches Kaisertum in Europa. Die Krönung knüpfte symbolisch an die Tradition des Römischen Reiches an.
Karl galt nun als Beschützer der christlichen Welt. Die Kaiserwürde erhöhte sein politisches Prestige erheblich. Gleichzeitig festigte sie die Verbindung zwischen Kaiser und Kirche. Dieses Ereignis prägte die politische Ordnung Europas für viele Jahrhunderte.
843
Nach dem Tod Karls des Großen wurde sein Reich von seinem Sohn Ludwig der Fromme regiert. Dessen Söhne gerieten jedoch in Konflikt um die Herrschaft. Nach mehreren Kämpfen einigten sie sich im Vertrag von Verdun auf eine Aufteilung des Reiches.
Das Reich wurde in drei große Teile geteilt: Westfrankenreich, Ostfrankenreich und Mittelreich. Diese Teilung gilt als wichtiger Schritt in der Entstehung der späteren Staaten Frankreich und Deutschland. Die politische Einheit des karolingischen Großreiches ging damit dauerhaft verloren.