1624 n. Chr.
Regelwerk für die Dichtkunst (Martin Opitz)
Mit dem „Buch von der Deutschen Poeterey“ schuf Martin Opitz das erste verbindliche Regelwerk für das Dichten in deutscher Sprache. Er wollte beweisen, dass die deutsche Sprache genauso elegant und kunstvoll sein kann wie Latein oder Französisch. Dafür führte er strenge Baupläne für Verse ein und verlangte, dass Dichter genau auf die natürliche Betonung der Wörter achten müssen. Dieser feste Regelkatalog gab den Menschen in einer völlig chaotischen Kriegszeit Halt und eine klare Struktur beim Schreiben. Durch seine Vorgaben wurde die deutsche Literatur schlagartig professioneller und gewann in ganz Europa an Ansehen. Seine Regeln prägten das Schreiben von Gedichten und Theaterstücken über ein ganzes Jahrhundert hinweg nachhaltig.
1637 n. Chr.
Kriegslyrik und Memento Mori (Andreas Gryphius)
Der Dichter Andreas Gryphius verarbeitete in seinen berühmten Gedichten die schrecklichen Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges. Seine Werke stehen beispielhaft für das Motiv des Memento Mori, was übersetzt bedeutet: Sei dir bewusst, dass du sterben wirst. Er beschrieb das Leid der Bevölkerung, brennende Städte und die Vergänglichkeit alles Irdischen in extrem eindringlichen Bildern. Um seinen Gefühlen eine feste Form zu geben, nutzte er bevorzugt das Sonett, eine Gedichtform mit genau 14 Zeilen. Seine Lyrik spiegelte die Zerrissenheit der Menschen wider, die zwischen der Angst vor dem Tod und der Hoffnung auf Rettung im Himmel schwebten. Gryphius gilt dadurch bis heute als die prägendste und emotionalste Stimme der Barockdichtung.
1668 n. Chr.
Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch (Grimmelshausen)
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen schrieb mit diesem Werk den ersten großen und erfolgreichen Roman in deutscher Sprache. Die Geschichte folgt dem einfachen Bauernjungen Simplicissimus, der als Schelm durch das verwüstete Deutschland des Dreißigjährigen Krieges stolpert. Der Roman verbindet schwarzen Humor und wilde Abenteuer mit einer unbeschönigten Kritik an den Grausamkeiten des Krieges. Anders als die typischen Königs- und Dichtertexte dieser Zeit zeigte das Buch erstmals das echte, harte Leben der einfachen Bevölkerung. Der Hauptcharakter erkennt am Ende die Sinnlosigkeit der Welt und zieht sich als Einsiedler von den Menschen zurück. Das Werk gilt als das bedeutendste literarische Zeugnis dieser Epoche und als Meilenstein der deutschen Erzählkunst.
1680 n. Chr. – 1720 n. Chr.
Höfische Galantik und Ausklang
Gegen Ende der Epoche wandelte sich der Geschmack der Menschen, da die Schrecken des Krieges langsam in den Hintergrund traten. An den prächtigen Höfen der Fürsten entwickelte sich die sogenannte galante Literatur, die vor allem unterhalten und amüsieren sollte. Statt düsterer Todesangst standen nun elegante Liebesgeschichten, Feiern, Mode und das geschickte Verhalten in der feinen Gesellschaft im Mittelpunkt. Die Sprache wurde leichter, verspielter und löste sich allmählich von den extrem strengen Regeln der früheren Barockzeit. Gleichzeitig begann sich ein vernunftgeleitetes Denken durchzusetzen, das den strengen Glauben hinterfragte. Dieser Wandel läutete das Ende des Barock ein und bereitete den Boden für die nachfolgende Epoche der Aufklärung.