Michelangelo Buonarroti

1475 n. Chr.1564 n. Chr.

Michelangelo Buonarroti war ein italienischer Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter, der als einer der bedeutendsten Künstler der Hochrenaissance und des Manierismus gilt. Geboren in der Toskana, verbrachte er sein langes und produktives Arbeitsleben abwechselnd in Florenz und Rom, wo er im Dienst mächtiger Päpste und der Medici-Familie stand. Im Gegensatz zu seinem großen Rivalen Leonardo da Vinci verstand sich Michelangelo primär als Bildhauer, der die Figuren aus dem Marmor „befreite“, anstatt sie zu formen. Seine Werke zeichnen sich durch eine beispiellose Beherrschung der menschlichen Anatomie, immense Dynamik und den Ausdruck tiefer seelischer Zerrissenheit oder monumentaler Kraft aus. Trotz seiner Vorliebe für die Bildhauerei schuf er im Auftrag des Vatikans einige der einflussreichsten Wand- und Deckengemälde der Kunstgeschichte. In seinen späteren Lebensjahren widmete er sich verstärkt monumentalen Architekturprojekten und prägte maßgeblich den Bau des Petersdoms in Rom. Michelangelo war bekannt für sein schwieriges, melancholisches Temperament und seinen kompromisslosen Perfektionsdrang, was ihm schon zu Lebzeiten den Beinamen „Il Divino“ (Der Göttliche) einbrachte. Er verstarb im Alter von 88 Jahren in Rom und wurde in seiner geliebten Heimatstadt Florenz beigesetzt. Sein monumentales Erbe beeinflusste Generationen von Künstlern und definierte den Begriff des genialen, leidenden Künstlers völlig neu.

1498

Römische Pietà

Die Pietà entstand als Auftragswerk für den französischen Kardinal Jean de Bilhères und ist das einzige Werk, das Michelangelo je signierte. Die Skulptur aus Carrara-Marmor zeigt die Jungfrau Maria, die den Leichnam ihres gekreuzigten Sohnes Jesus Christus auf dem Schoß hält. Meisterhaft überwand der junge Künstler die anatomische Herausforderung, einen erwachsenen Mann im Schoß einer Frau darzustellen, indem er Marias Gewand in monumentale, kaskadierende Falten legte. Besonders auffallend ist das jugendliche, makellose Gesicht Marias, das Michelangelo als Symbol ihrer unbefleckten Reinheit und ihres tiefen, stillen Schmerzes gestaltete. Die Perfektion der Politur verleiht dem Stein eine hautähnliche Textur, die den Übergang von Leben zu Tod spürbar macht. Das Werk begründete Michelangelos bleibenden Ruhm in Rom und zog sofort die Bewunderung seiner Zeitgenossen auf sich. Heute befindet sich dieses weltberühmte Meisterwerk gut geschützt hinter Panzerglas im Petersdom im Vatikan.

1501

David

Der „David“ ist das wohl bekannteste Meisterwerk der Bildhauerkunst und entstand im Auftrag der Dombaumeister von Florenz aus einem einzigen, riesigen Block Carrara-Marmor, der zuvor von anderen Künstlern als beschädigt aufgegeben worden war. Michelangelo brach mit der traditionellen Darstellung, die David siegreich mit dem Haupt des Riesen Goliath zeigt, und stellte den biblischen Helden stattdessen im Moment vor dem Kampf dar. Die Figur zeichnet sich durch eine hochkonzentrierte Anspannung aus, die sich in den hervortretenden Adern der Hände, den angespannten Muskeln und dem fixierten, wachsamen Blick widerspiegelt. Die anatomischen Proportionen, insbesondere der Kopf und die rechte Hand, wurden bewusst leicht vergrößert, um die Wirkung der Kolossalstatue von unten zu optimieren. Nach der Fertigstellung wurde die Statue nicht am Dom, sondern als politisches Symbol für den Freiheitswillen der Florentiner Republik vor dem Palazzo Vecchio aufgestellt. Heute zieht das Original in der Galleria dell’Accademia in Florenz jährlich Millionen von Besuchern an.

1511

Die Erschaffung Adams

Die „Erschaffung Adams“ ist der zentrale und bekannteste Ausschnitt des monumentalen Deckenfreskos in der Sixtinischen Kapelle, das Michelangelo im Auftrag von Papst Julius II. schuf. Das Gemälde revolutionierte die christliche Ikonographie, indem es den Schöpfungsakt auf die kraftvolle, fast berührende Annäherung zweier Hände reduzierte. Auf der linken Seite lagert der nackte, athletische Adam auf der Erde, dessen linker Arm noch kraftlos ausgestreckt ist, um den Lebensfunken zu empfangen. Gottvater schwebt auf der rechten Seite, umgeben von Engeln und getragen von einem wehenden, purpurroten Mantel, der in seiner Form an ein menschliches Gehirn erinnert. Der winzige Zwischenraum zwischen den beiden Zeigefingern bildet das dramatische Zentrum des Bildes und symbolisiert die Übertragung des göttlichen Geistes auf den Menschen. Dieses Bildmotiv hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt und gilt bis heute als universelles Symbol für Schöpfung, Genie und Menschlichkeit.

1536

Das Jüngste Gericht

Mehr als zwanzig Jahre nach der Fertigstellung der Decke kehrte Michelangelo im Auftrag von Papst Clemens VII. und Paul III. in die Sixtinische Kapelle zurück, um die gesamte Altarwand zu bemalen. Das gewaltige Fresko bricht radikal mit den harmonischen Idealen der Hochrenaissance und zeigt das apokalyptische Geschehen des Jüngsten Gerichts in einer wirbelnden, dynamischen Massenkomposition. Im Zentrum steht ein thronender, jugendlicher und fast zorniger Christus, der mit einer herrischen Geste die Seligen emporhebt und die Verdammten in die Hölle hinabstürzt. Die Darstellung von über 300 überwiegend nackten, extrem muskulösen Figuren löste in der Zeit der Gegenreformation einen heftigen Skandal im Vatikan aus. Michelangelo verarbeitete in dem düsteren Werk auch persönliche Krisen und malte sein eigenes, verzerrtes Antlitz auf die abgezogene Haut, die der heilige Bartholomäus in den Händen hält. Nach dem Tod des Künstlers wurden viele der Genitalien auf päpstlichen Befehl hin von einem seiner Schüler, dem sogenannten „Hosenmaler“ Daniele da Volterra, mit Lendenschurzen übermalt.

Beteiligte Ereignisse

Die Renaissance

Die Renaissance

1400 n. Chr. – 1600 n. Chr.

Die Renaissance, was übersetzt „Wiedergeburt“ bedeutet, markiert den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit und revolutionierte die europäische Kunstwelt fundamental. Im Zentrum dieser Epoche stand die Wiederentdeckung und Wiederbelebung der Ideale, Formen und Philosophien der griechischen und römischen Antike. Die Kunst löste sich aus der rein religiösen, oft zweidimensionalen Erstarrung des Mittelalters und wandte sich dem Humanismus zu, der den Menschen und die Natur in den Mittelpunkt stellte. Ein technologischer und mathematischer Meilenstein war die Entwicklung der Zentralperspektive, die es Künstlern erstmals erlaubte, dreidimensionale Räume naturgetreu auf Leinwand oder Wand zu bannen. Zudem gewannen die Erforschung der menschlichen Anatomie und das Spiel von Licht und Schatten (Chiaroscuro) massiv an Bedeutung. Künstler waren nicht mehr nur anonyme Handwerker der Kirche, sondern stiegen zu gefeierten, universell gebildeten Genies auf. Florenz, Rom und Venedig entwickelten sich zu den absoluten Zentren dieser Bewegung, stark gefördert durch wohlhabende Mäzene wie die Familie Medici. Die Erfindung des Buchdrucks half zudem, die neuen ästhetischen und theoretischen Ideale rasant über den gesamten europäischen Kontinent zu verbreiten. Am Ende des 16. Jahrhunderts ging die Renaissance schließlich fließend in den dynamischeren und emotionaleren Stil des Barocks über.

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