1400 n. Chr. – 1490 n. Chr.
Die Frührenaissance
Die Frührenaissance nahm ihren Anfang in der wohlhabenden Handelsmetropole Florenz, wo Künstler begannen, radikal mit mittelalterlichen Traditionen zu brechen. Als Startschuss gilt oft der spektakuläre Entwurf der monumentalen Domkuppel von Florenz durch den Architekten Filippo Brunelleschi, der antike Bautechniken meisterhaft nachempfand. Brunelleschi war es auch, der die mathematischen Regeln der Linearperspektive formulierte, was die Malerei für immer veränderte. Bildhauer wie Donatello schufen in dieser Zeit die ersten freistehenden Aktskulpturen seit der Antike, die den menschlichen Körper wieder realistisch und dynamisch zeigten. In der Malerei setzte Sandro Botticelli neue Maßstäbe, indem er neben christlichen Motiven auch intensiv die antike Mythologie, wie in seiner berühmten „Geburt der Venus“, thematisierte. Wohlhabende Bankiersfamilien wie die Medici erkannten die Macht der Kunst als Statussymbol und finanzierten diesen kreativen Aufbruch im großen Stil
1430 n. Chr. – 1580 n. Chr.
Die Nördliche Renaissance
Parallel zur Entwicklung in Italien, aber mit ganz eigenen Impulsen, entfaltete sich die Renaissance nördlich der Alpen, vor allem in Flandern, den Niederlanden und Deutschland. Während die Italiener die ideale Schönheit und Geometrie suchten, zeichnete sich die nördliche Kunst durch einen extremen, fast mikroskopischen Realismus in der Darstellung von Details aus. Pioniere wie Jan van Eyck im frühen 15. Jahrhundert revolutionierten die Malerei durch die Perfektionierung der Ölmalerei, die viel tiefere Farben und feinere Texturen als die italienische Freskotechnik erlaubte. In Deutschland wurde Albrecht Dürer zum genialen Bindeglied zwischen beiden Welten; er reiste nach Italien, studierte die Perspektivenlehre und wurde durch seine meisterhaften Druckgrafiken in ganz Europa berühmt. Ein weiteres Merkmal der nördlichen Renaissance, stark geprägt durch Künstler wie Hieronymus Bosch oder Pieter Bruegel den Älteren, war die Darstellung des einfachen Volkslebens sowie tiefgründiger, oft moralisierender und düsterer Symboliken.
1490 n. Chr. – 1527 n. Chr.
Die Hochrenaissance
Die Hochrenaissance gilt als der absolute Höhepunkt der Epoche, in dem die Kunst eine bis dahin unerreichte Perfektion, Harmonie und Ausgewogenheit erlangte. Das Zentrum des Geschehens verlagerte sich in dieser kurzen, aber intensiven Phase von Florenz nach Rom, wo die Päpste als mächtige und anspruchsvolle Kunstmäzene auftraten. Diese Ära wird von den drei wohl größten Universalgenies der Kunstgeschichte dominiert: Leonardo da Vinci, Michelangelo Buonarroti und Raffael Sanzio. Da Vinci perfektionierte den Sfumato-Effekt für geheimnisvolle Tiefenwirkung, während Michelangelo mit der Decke der Sixtinischen Kapelle und der David-Statue die Anatomie des Menschen in vollendete monumentale Formen goss. Raffael hingegen galt als Meister der idealen Schönheit und Harmonie, was sich in seinen weltberühmten Madonnenbildern und Fresken zeigt. Das abrupte Ende dieser Phase wird historisch oft mit dem „Sacco di Roma“ im Jahr 1527 verknüpft, der Plünderung Roms durch kaiserliche Truppen.
1520 n. Chr. – 1600 n. Chr.
Der Manierismus (Spätrenaissance)
Nachdem die Hochrenaissance die Perfektion in Harmonie und Proportion erreicht hatte, standen die nachfolgenden Künstler vor der Frage, wie man diese noch übertreffen konnte, und entwickelten daraus den Manierismus. Statt die Natur einfach nur perfekt zu kopieren, malten die Künstler nun „nach ihrer Art“ (maniera) und setzten bewusst auf Künstlichkeit, Eleganz und emotionale Dramatik. Typisch für diesen Spätstil sind extrem gelängte, schlangenartig verdrehte Körperproportionen, eine oft verwirrende Raumperspektive und exzentrische, kalte oder schrille Farbkombinationen. Meister wie Parmigianino, El Greco oder der Bildhauer Giambologna wollten den Betrachter nicht mehr beruhigen, sondern ihn durch Spannung, Künstlichkeit und intellektuelle Rätsel faszinieren. Dieser virtuose, manchmal fast bizarre Stil spiegelte auch die religiösen und politischen Krisen der Zeit der Gegenreformation wider und ebnete schließlich den Weg für den emotionalen und prunkvollen Barock