Napoleon Bonaparte

1769 n. Chr.1821 n. Chr.

Napoleon Bonaparte gehört zu den fähigsten Militärstrategen und einflussreichsten Staatsmännern der Weltgeschichte. Ausgelöst durch die Wirren der Französischen Revolution, stieg der gebürtige Korsenjunge in rasantem Tempo zum Kaiser der Franzosen auf. Er ordnete das durchgerüttelte Frankreich radikal neu und unterwarf innerhalb weniger Jahre fast den gesamten europäischen Kontinent. Seine Herrschaft brachte sowohl unendliches Leid durch die napoleonischen Kriege als auch bleibende Modernisierungen für Recht und Gesellschaft, die bis heute spürbar sind. Sein grenzenloser Ehrgeiz führte ihn letztlich in den Untergang, doch sein Mythos überdauerte seinen Sturz bei weitem.

1799

Der Weg an die Macht

Nach seinen glänzenden militärischen Erfolgen im Dienst der Revolutionsarmee, insbesondere in Italien und Ägypten, kehrte Napoleon als gefeierter Volksheld nach Paris zurück. Das dort regierende Direktorium war schwach und korrupt, weshalb Napoleon im November 1799 die Gunst der Stunde nutzte: Er stürzte die Regierung im sogenannten Staatsstreich des 18. Brumaire und ernannte sich zum „Ersten Konsul“. Damit war er faktisch der alleinige Herrscher Frankreichs. Er sanierte die Staatsfinanzen, schloss Frieden mit der katholischen Kirche und sicherte sich die absolute Unterstützung der Bevölkerung. Seinen machtpolitischen Aufstieg krönte er am 2. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre-Dame de Paris selbst, indem er sich eigenhändig zum Kaiser der Franzosen ernannte.

1804

Napoleons Reformen und der Code Civil

Als Kaiser bewies Napoleon, dass er nicht nur ein genialer Feldherr, sondern auch ein visionärer Reformer war. Sein bedeutendstes und nachhaltigstes Werk schuf er im Jahr 1804 mit dem Code Civil (auch Code Napoléon genannt). Dieses bahnbrechende Gesetzbuch schrieb zentrale Errungenschaften der Revolution für alle Zeiten fest: die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, die Freiheit des Einzelnen, die Trennung von Kirche und Staat sowie die Abschaffung des Zunftzwangs. Zudem strukturierte er die Verwaltung komplett neu und führte ein effizientes, modernes Bildungssystem ein. Viele dieser rechtlichen Prinzipien bilden bis heute das Fundament moderner europäischer Gesetzgebungen.

1805

Die Eroberung Europas

Auf dem europäischen Kontinent entfesselte Napoleon einen beispiellosen Feldzug. In den napoleonischen Kriegen triumphierte er dank seiner revolutionären Taktik über die Großmächte Österreich, Preußen und Russland (unter anderem in der berühmten „Dreikaiserschlacht“ von Austerlitz 1805). Napoleon ordnete Europa völlig neu: Er löste das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf, gründete den Rheinbund als Pufferstaat und setzte seine eigenen Geschwister als Könige in den besetzten Ländern wie Spanien, Neapel und Westfalen ein. Einzig das britische Empire leistete erbitterten Widerstand, weshalb Napoleon mit der Kontinentalsperre eine gigantische Wirtschaftsblockade gegen England verhängte, um die Insel in die Knie zu zwingen.

1809

Der Russlandfeldzug

Da der russische Zar Alexander I. die für Russland ruinöse Kontinentalsperre gegen England heimlich brach, beschloss Napoleon zu strafen. Im Sommer 1812 marschierte er mit der Grande Armée – dem mit über 600.000 Soldaten größten Heer, das Europa je gesehen hatte – in Russland ein. Doch der Feldzug geriet zur Katastrophe. Die russische Armee wich geschickt zurück, wendete die Taktik der „verbrannten Erde“ an und lockte die Franzosen tief ins Landesinnere. Als Napoleon das brennende und menschenleere Moskau erreichte, verweigerte der Zar jeden Frieden. Der darauffolgende Rückzug im eisigen russischen Winter, geplagt von Hunger, Krankheiten und ständigen Angriffen der Kosaken, kostete fast der gesamten Armee das Leben. Nur ein winziger, traumatisierter Bruchteil kehrte zurück.

1813

Die Befreiungskriege

Die verheerende Niederlage in Russland wirkte wie ein Fanal für ganz Europa. Die unterdrückten Völker schöpften neuen Mut. Unter der Führung von Preußen, Russland, Österreich und Großbritannien formierte sich eine gewaltige Koalition gegen den geschwächten Kaiser. In den darauffolgenden Befreiungskriegen kam es im Oktober 1813 zur gigantischen Völkerschlacht bei Leipzig, der bis dahin größten Feldschlacht der Weltgeschichte. Napoleon wurde vernichtend geschlagen, woraufhin die alliierten Truppen im Frühjahr 1814 Paris einnahmen. Napoleon musste abdanken und wurde ins Exil auf die kleine Mittelmeerinsel Elba verbannt.

1815

Die Herrschaft der Hundert Tage und der endgültige Untergang

Doch das Drama war noch nicht vorbei. Im März 1815 floh Napoleon spektakulär von Elba und landete mit einer Handvoll Getreuer in Frankreich. Die ihm entgegengeschickten Soldaten liefen scharenweise zu ihrem alten Kaiser über, und er übernahm für die geschichtsträchtigen „Hundert Tage“ noch einmal die Macht in Paris. Die europäischen Mächte reagierten sofort und erklärten ihn zum Vogelfreien. Am 18. Juni 1815 kam es in der Schlacht bei Waterloo (im heutigen Belgien) zum finalen Aufeinandertreffen. Die britischen und preußischen Truppen besiegten Napoleon endgültig. Um sicherzugehen, dass er nie wieder zurückkehrt, verbannten ihn die Alliierten auf die extrem abgelegene Atlantikinsel St. Helena, wo er 1821 einsam und politisch einflusslos verstarb.

Beteiligte Ereignisse

Die Französische Revolution

Die Französische Revolution

1789 n. Chr. – 1799 n. Chr.

Die Französische Revolution gilt als einer der wichtigsten Wendepunkte der europäischen Geschichte und markiert das Ende des Absolutismus. Angetrieben von den Ideen der Aufklärung und einer tiefen Wirtschaftskrise, erhob sich der unterdrückte Dritte Stand gegen die Privilegien von Adel und Klerus. Was als Reformversuch begann, entwickelte sich schnell zu einem radikalen Umsturz der gesamten gesellschaftlichen Ordnung. Die Revolutionäre verkündeten die Menschen- und Bürgerrechte und schafften die feudale Ständeordnung ab. Im Verlauf der Umwälzungen wurde König Ludwig XVI. entmachtet und schließlich hingerichtet, woraufhin Frankreich zur Republik wurde. Allerdings versank das Land bald im Chaos innerer Machtkämpfe und einer grausamen Schreckensherrschaft. Erst mit dem Staatsstreich Napoleon Bonapartes fand die unruhige Revolutionsphase ein Ende. Die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit überlebten jedoch und prägten das moderne Demokratieverständnis weltweit.

Mehr erfahren →