1506
Das „Bildnis der Maddalena Doni“ entstand während Raffaels prägender Schaffensphase in Florenz, in der er die Techniken der dortigen Meister studierte. Es handelt sich um ein Ölgemälde auf Holz, das die junge Florentinerin Maddalena Strozzi kurz nach ihrer Hochzeit mit dem reichen Tuchhändler Agnolo Doni zeigt. Das Porträt spiegelt unübersehbar den tiefen Eindruck wider, den Leonardo da Vincis kurz zuvor begonnene „Mona Lisa“ auf den jungen Raffael machte. Die Sitzposition im Dreiviertelprofil, die Platzierung der Hände im Vordergrund und die Integration einer weiten Ideallandschaft im Hintergrund sind direkt von Leonardos Komposition inspiriert. Im Gegensatz zu Leonardos geheimnisvoller Sfumato-Technik setzt Raffael jedoch auf klare Linien, leuchtende Farben und eine präzise Detailtreue bei Kleidung und Schmuck. Das Bild demonstriert Raffaels frühes Talent, den hohen gesellschaftlichen Status seiner Auftraggeber mit psychologischer Eleganz und bürgerlichem Stolz zu verbinden. Heute befindet sich das meisterhafte Doppelporträt – das Gegenstück zeigt ihren Ehemann Agnolo – in den Uffizien in Florenz.
1509
Die „Schule von Athen“ ist ein monumentales Fresko in der Stanza della Segnatura, dem ehemaligen privaten Studierzimmer und der Bibliothek des Papstes im Vatikan. Das Bild gilt als das absolute Meisterwerk der Hochrenaissance, da es die geistige Welt der Antike mit der christlichen Philosophie der Renaissance verschmilzt. In einer gewaltigen, von der römischen Architektur inspirierten Halle versammelt Raffael die bedeutendsten Denker, Wissenschaftler und Philosophen der griechischen Antike. Im absoluten Zentrum stehen Platon, der nach oben auf die Welt der Ideen zeigt, und Aristoteles, dessen Geste flach zum Boden auf die empirische Realität verweist. Um sie herum gruppieren sich Figuren wie Sokrates, Pythagoras, Diogenes und Euklid, wobei Raffael vielen dieser antiken Genies die Gesichtszüge seiner Zeitgenossen lieh. So ist Platon als Leonardo da Vinci dargestellt, der am Treppenrand grübelnde Heraklit trägt die Züge Michelangelos, und am rechten Rand malte sich Raffael dezent selbst. Das Werk besticht durch seine perfekte Zentralperspektive und die logische, harmonische Anordnung der über 50 Figuren im Raum.
1512
Die „Sixtinische Madonna“ ist eines der berühmtesten Altarbilder der Kunstgeschichte und war ein Auftragswerk von Papst Julius II. für die Klosterkirche San Sisto in Piacenza. Das Gemälde zeigt die Jungfrau Maria, die mit dem Jesuskind auf den Armen direkt aus einer Wolkenwand auf den Betrachter zuschreitet. Flankiert wird sie vom heiligen Sixtus und der heiligen Barbara, die den Übergang zwischen der himmlischen Vision und der irdischen Realität einrahmen. Das Werk ist berühmt für seine visionäre Dreidimensionalität; ein grüner Vorhang am oberen Bildrand erweckt den Eindruck, als öffne sich der Himmel direkt vor dem Altar. Die Gesichter von Mutter und Kind strahlen eine tiefe, fast melancholische Ernsthaftigkeit aus, die auf das spätere Schicksal Jesu vorausdeutet. Weltruhm erlangten skurrilerweise vor allem die beiden gelangweilten Puttenengel am unteren Bildrand, die als eigenständiges Motiv im 19. Jahrhundert zum Popkultur-Phänomen wurden. Heute zieht das monumentale Meisterwerk, das seit 1754 in Deutschland beheimatet ist, Millionen Besucher in die Gemäldegalerie Alte Meister nach Dresden.