Raffaelo Santi

1483 n. Chr.1520 n. Chr.

Raffaello Sanzio da Urbino, im Deutschen meist als Raffael bekannt, gilt neben Leonardo da Vinci und Michelangelo als einer der drei großen Meister der italienischen Hochrenaissance. Er wurde in Urbino geboren, wo er in der Werkstatt seines Vaters früh mit der Kunst in Berührung kam und später von dem Maler Perugino ausgebildet wurde. Seine Karriere führte ihn über Florenz nach Rom, wo er ab 1508 im Auftrag von Papst Julius II. und dessen Nachfolger Leo X. monumentale Wandgemälde im Vatikanpalast schuf. Raffael zeichnete sich durch eine außergewöhnliche Produktivität aus und leitete eine riesige, hocheffiziente Werkstatt mit zahlreichen Schülern und Assistenten. Seine Kunst zeichnet sich durch vollendete Harmonie, Klarheit der Form, ausgewogene Kompositionen und ein tiefes Verständnis des menschlichen Körpers aus. Er idealisierte seine Figuren, verlieh ihnen aber gleichzeitig eine lebendige, emotionale Tiefe und psychologische Glaubwürdigkeit. Neben seiner Malerei war er auch als Architekt tätig, unter anderem zeitweise als Bauleiter des Petersdoms, und überwachte die Erforschung antiker römischer Ruinen. Raffael starb überraschend an seinem 37. Geburtstag in Rom und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im Pantheon beigesetzt. Sein Werk prägte die akademische Malerei über Jahrhunderte hinweg als Inbegriff klassischer Schönheit und Perfektion.

1506

Bildnis der Maddalena Doni

Das „Bildnis der Maddalena Doni“ entstand während Raffaels prägender Schaffensphase in Florenz, in der er die Techniken der dortigen Meister studierte. Es handelt sich um ein Ölgemälde auf Holz, das die junge Florentinerin Maddalena Strozzi kurz nach ihrer Hochzeit mit dem reichen Tuchhändler Agnolo Doni zeigt. Das Porträt spiegelt unübersehbar den tiefen Eindruck wider, den Leonardo da Vincis kurz zuvor begonnene „Mona Lisa“ auf den jungen Raffael machte. Die Sitzposition im Dreiviertelprofil, die Platzierung der Hände im Vordergrund und die Integration einer weiten Ideallandschaft im Hintergrund sind direkt von Leonardos Komposition inspiriert. Im Gegensatz zu Leonardos geheimnisvoller Sfumato-Technik setzt Raffael jedoch auf klare Linien, leuchtende Farben und eine präzise Detailtreue bei Kleidung und Schmuck. Das Bild demonstriert Raffaels frühes Talent, den hohen gesellschaftlichen Status seiner Auftraggeber mit psychologischer Eleganz und bürgerlichem Stolz zu verbinden. Heute befindet sich das meisterhafte Doppelporträt – das Gegenstück zeigt ihren Ehemann Agnolo – in den Uffizien in Florenz.

1509

Die Schule von Athen

Die „Schule von Athen“ ist ein monumentales Fresko in der Stanza della Segnatura, dem ehemaligen privaten Studierzimmer und der Bibliothek des Papstes im Vatikan. Das Bild gilt als das absolute Meisterwerk der Hochrenaissance, da es die geistige Welt der Antike mit der christlichen Philosophie der Renaissance verschmilzt. In einer gewaltigen, von der römischen Architektur inspirierten Halle versammelt Raffael die bedeutendsten Denker, Wissenschaftler und Philosophen der griechischen Antike. Im absoluten Zentrum stehen Platon, der nach oben auf die Welt der Ideen zeigt, und Aristoteles, dessen Geste flach zum Boden auf die empirische Realität verweist. Um sie herum gruppieren sich Figuren wie Sokrates, Pythagoras, Diogenes und Euklid, wobei Raffael vielen dieser antiken Genies die Gesichtszüge seiner Zeitgenossen lieh. So ist Platon als Leonardo da Vinci dargestellt, der am Treppenrand grübelnde Heraklit trägt die Züge Michelangelos, und am rechten Rand malte sich Raffael dezent selbst. Das Werk besticht durch seine perfekte Zentralperspektive und die logische, harmonische Anordnung der über 50 Figuren im Raum.

1512

Die Sixtinische Madonna

Die „Sixtinische Madonna“ ist eines der berühmtesten Altarbilder der Kunstgeschichte und war ein Auftragswerk von Papst Julius II. für die Klosterkirche San Sisto in Piacenza. Das Gemälde zeigt die Jungfrau Maria, die mit dem Jesuskind auf den Armen direkt aus einer Wolkenwand auf den Betrachter zuschreitet. Flankiert wird sie vom heiligen Sixtus und der heiligen Barbara, die den Übergang zwischen der himmlischen Vision und der irdischen Realität einrahmen. Das Werk ist berühmt für seine visionäre Dreidimensionalität; ein grüner Vorhang am oberen Bildrand erweckt den Eindruck, als öffne sich der Himmel direkt vor dem Altar. Die Gesichter von Mutter und Kind strahlen eine tiefe, fast melancholische Ernsthaftigkeit aus, die auf das spätere Schicksal Jesu vorausdeutet. Weltruhm erlangten skurrilerweise vor allem die beiden gelangweilten Puttenengel am unteren Bildrand, die als eigenständiges Motiv im 19. Jahrhundert zum Popkultur-Phänomen wurden. Heute zieht das monumentale Meisterwerk, das seit 1754 in Deutschland beheimatet ist, Millionen Besucher in die Gemäldegalerie Alte Meister nach Dresden.

Beteiligte Ereignisse

Die Renaissance

Die Renaissance

1400 n. Chr. – 1600 n. Chr.

Die Renaissance, was übersetzt „Wiedergeburt“ bedeutet, markiert den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit und revolutionierte die europäische Kunstwelt fundamental. Im Zentrum dieser Epoche stand die Wiederentdeckung und Wiederbelebung der Ideale, Formen und Philosophien der griechischen und römischen Antike. Die Kunst löste sich aus der rein religiösen, oft zweidimensionalen Erstarrung des Mittelalters und wandte sich dem Humanismus zu, der den Menschen und die Natur in den Mittelpunkt stellte. Ein technologischer und mathematischer Meilenstein war die Entwicklung der Zentralperspektive, die es Künstlern erstmals erlaubte, dreidimensionale Räume naturgetreu auf Leinwand oder Wand zu bannen. Zudem gewannen die Erforschung der menschlichen Anatomie und das Spiel von Licht und Schatten (Chiaroscuro) massiv an Bedeutung. Künstler waren nicht mehr nur anonyme Handwerker der Kirche, sondern stiegen zu gefeierten, universell gebildeten Genies auf. Florenz, Rom und Venedig entwickelten sich zu den absoluten Zentren dieser Bewegung, stark gefördert durch wohlhabende Mäzene wie die Familie Medici. Die Erfindung des Buchdrucks half zudem, die neuen ästhetischen und theoretischen Ideale rasant über den gesamten europäischen Kontinent zu verbreiten. Am Ende des 16. Jahrhunderts ging die Renaissance schließlich fließend in den dynamischeren und emotionaleren Stil des Barocks über.

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