1925
Am 17. September 1925 veränderte ein tragisches Unglück das Leben der damals 18-jährigen Frida Kahlo für immer. Der Bus, in dem sie unterwegs war, kollidierte mit einer Straßenbahn, wobei sich eine eiserne Haltestange durch ihr Becken bohrte und ihre Wirbelsäule, ihr Schlüsselbein sowie ihre Beine mehrfach brach. Sie überlebte wie durch ein Wunder, war jedoch gezwungen, monatelang immobilisiert im Bett zu verbringen, was das Ende ihrer ursprünglichen Pläne, Medizin zu studieren, bedeutete. Um ihr die Zeit zu vertreiben, ließen ihre Eltern einen speziellen Baldachin mit einem Spiegel über ihrem Bett anbringen, sodass sie sich selbst sehen konnte. Sie gaben ihr einen Malkasten, und Frida begann, ihre Schmerzen und ihre Isolation auf der Leinwand zu verarbeiten. Dieser traumatische Unfall war somit die schmerzhafte Geburtsstunde einer der faszinierendsten Künstlerkarrieren der Moderne, da das Malen zu ihrer wichtigsten Überlebensstrategie wurde.
1929
Im Jahr 1929 heiratete Frida Kahlo den 20 Jahre älteren und bereits weltberühmten mexikanischen Muralisten Diego Rivera, den sie zuvor um eine ehrliche Einschätzung ihrer Bilder gebeten hatte. Ihre Mutter war gegen die Verbindung und bezeichnete das ungleiche Paar aufgrund von Diegos Statur und Kahlos Zierlichkeit spöttisch als „Hochzeit zwischen einem Elefanten und einer Taube“. Das Paar zog in das "Casa Azul" (Das Blaue Haus) in Coyoacán, das Fridas Elternhaus war und fortan zum Epizentrum ihres kreativen und privaten Lebens wurde. Rivera förderte ihr Talent massiv und ermutigte sie, traditionelle mexikanische Kleidung zu tragen, was zu ihrem unverwechselbaren Markenzeichen wurde. Trotz der tiefen Liebe und des gegenseitigen künstlerischen Respekts war die Ehe von Beginn an von extremen Spannungen, Eifersucht und zahlreichen außerehelichen Affären auf beiden Seiten überschattet.
1938
Nach Jahren im Schatten ihres berühmten Ehemannes gelang Frida Kahlo Ende der 1930er Jahre der internationale Durchbruch als eigenständige Künstlerin. Der Begründer des Surrealismus, André Breton, war von ihren Arbeiten fasziniert, nannte ihre Kunst eine „Bombe, umwickelt mit einer Seifenschleife“ und organisierte 1938 ihre erste Einzelausstellung in New York, die ein Riesenerfolg wurde. Im folgenden Jahr reiste sie nach Paris, wo ihre Werke in einer vielbeachteten Ausstellung gezeigt wurden und sie Künstler wie Pablo Picasso und Joan Miró kennenlernte. Der Louvre kaufte sogar eines ihrer Selbstporträts ("The Frame"), was eine historische Sensation war, da es das erste Werk eines mexikanischen Künstlers des 20. Jahrhunderts war, das in die Sammlung des weltberühmten Museums aufgenommen wurde. Diese Jahre bewiesen der Welt, dass sie weit mehr war als nur die exzentrische Ehefrau von Diego Rivera.