Paul von Hindenburg

1847 n. Chr. – 1934 n. Chr.

Paul von Hindenburg war ein deutscher Offizier und Politiker, dessen schicksalhaftes Wirken das Kaiserreich und die Weimarer Republik maßgeblich prägte. Nach einer langen militärischen Laufbahn im preußischen Heer trat er zu Beginn des Ersten Weltkriegs erneut in den Dienst und erlangte durch den Sieg in der Schlacht bei Tannenberg im Jahr 1914 den Status eines gefeierten Nationalhelden. Zusammen mit Erich Ludendorff übernahm er ab 1916 in der Obersten Heeresleitung die faktische militärische und gesellschaftliche Führung des Deutschen Reiches. Nach der Niederlage von 1918 zog er sich zunächst ins Privatleben zurück, bevor er 1925 überraschend als Kandidat des rechten Lagers zum zweiten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt wurde. In seiner ersten Amtszeit agierte der Monarchist überraschend verfassungstreu, verließ jedoch in der Weltwirtschaftskrise ab 1930 die parlamentarische Demokratie zugunsten von Präsidialkabinetten. Durch die zunehmende Zerrüttung der politischen Verhältnisse und unter dem Einfluss eines konservativen Beraterkreises ernannte er am 30. Januar 1933 schließlich Adolf Hitler zum Reichskanzler. Trotz anfänglicher Bedenken unterzeichnete Hindenburg in den Folgemonaten Notverordnungen, die den Weg in die nationalsozialistische Diktatur entscheidend ebneten. Sein Tod im August 1934 markierte das endgültige Ende der Weimarer Republik und festigte die alleinige Machtübernahme der Nationalsozialisten.

1914

Sieg bei Tannenberg und Mythosbildung

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs reaktiviert, übernahm Hindenburg den Oberbefehl über die 8. Armee an der Ostfront. Durch die verheerende Niederlage der russischen Truppen in der Schlacht bei Tannenberg wurde er über Nacht zum gefeierten Retter Ostpreußens. Dieser militärische Erfolg bildete das Fundament für den populären „Hindenburg-Mythos“, der ihn für Jahrzehnte als unerschütterliche Integrationsfigur verankerte.

1916

Übernahme der 3. Obersten Heeresleitung

Gemeinsam mit Erich Ludendorff übernahm Hindenburg die Leitung des deutschen Feldheeres und begründete eine faktische Militärdiktatur. Unter seiner Führung wurde die deutsche Wirtschaft im Rahmen des „Hindenburg-Programms“ kompromisslos auf den totalen Krieg ausgerichtet. Nach dem Scheitern der Frühjahrsoffensive 1918 drängte die OHL schließlich auf die sofortige Einleitung von Waffenstillstandsverhandlungen.

1925

Wahl zum Reichspräsidenten der Weimarer Republik:

Nach dem Tod von Friedrich Ebert kandidierte der tief konservativ geprägte Hindenburg für das Amt des Reichspräsidenten und gewann die Wahl als Kandidat des Rechten Bündnisses. Obwohl er zeitlebens der Monarchie verbunden blieb, leistete er den Eid auf die Weimarer Reichsverfassung und wahrte in seinen ersten Amtsjahren weitgehend den verfassungsmäßigen Rahmen. Seine Wahl trug zeitweise zur Stabilisierung des Vertrauens konservativer Kreise in die Republik bei.

1930

Regieren durch Präsidialkabinette und Ernennung Hitlers

Ab Mitte 1930 setzte Hindenburg das Parlament zunehmend außer Kraft und stützte sich auf vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängige Präsidialkabinette unter Einsatz von Notverordnungen gemäß Artikel 48. Nach monatelangen politischen Krisen ernannte er am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler. Mit der Unterzeichnung der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ (Reichstagsbrandverordnung) hob er Kerngrundrechte auf und leitete damit den Zusammenbruch der Demokratie ein.

Beteiligte Ereignisse

Der erste Weltkrieg

Der erste Weltkrieg

1914 n. Chr. – 1918 n. Chr.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) war ein globaler Konflikt, der vor allem in Europa ausgetragen wurde und Millionen Menschen das Leben kostete. Ausgelöst wurde er durch das Attentat von Sarajevo, doch tiefere Ursachen waren Nationalismus, Imperialismus, Militarismus und starre Bündnissysteme. Zwei große Lager standen sich gegenüber: die Mittelmächte (u. a. Deutsches Reich und Österreich-Ungarn) und die Alliierten (u. a. Frankreich, Großbritannien, Russland, später die USA). Der Krieg war geprägt von Stellungskrieg, Materialschlachten und neuen, extrem zerstörerischen Waffen wie Giftgas und Maschinengewehren. Die Zivilbevölkerung litt massiv unter Hunger, Bombardierungen und wirtschaftlichem Zusammenbruch. 1917 schieden Russland aus dem Krieg aus, während die USA auf Seiten der Alliierten eintraten. 1918 brach die militärische und politische Ordnung der Mittelmächte zusammen. Der Krieg endete mit dem Waffenstillstand vom 11. November 1918. Die Folgen waren tiefgreifend: Der Versailler Vertrag belastete Deutschland stark, mehrere Monarchien zerfielen, und die politischen Spannungen legten den Grundstein für den Zweiten Weltkrieg.

Mehr erfahren →
Weimarer Republik

Weimarer Republik

1919 n. Chr. – 1933 n. Chr.

Die Weimarer Republik bezeichnet die erste demokratische Staatsform Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg und bestand von 1919 bis 1933. Sie entstand aus der Niederlage im Krieg und der Novemberrevolution, die zur Abdankung des Kaisers führte. Die neue Republik erhielt mit der Weimarer Verfassung eine moderne, demokratische Ordnung mit allgemeinen Wahlen und Grundrechten. Gleichzeitig war sie von Anfang an stark belastet durch den Versailler Vertrag, der hohe Reparationszahlungen und Gebietsverluste festlegte. In den frühen Jahren kam es zu massiven Krisen wie politischen Aufständen, Putschversuchen und der Hyperinflation von 1923. Ab Mitte der 1920er Jahre stabilisierte sich die Lage zeitweise („Goldene Zwanziger“) durch wirtschaftliche Erholung und kulturelle Blüte. Diese Stabilität blieb jedoch fragil und hing stark von ausländischen Krediten ab. Mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 geriet die Republik in eine tiefe politische und soziale Krise, die den Aufstieg extremistischer Parteien begünstigte.

Mehr erfahren →
Das Deutsche Kaiserreich

Das Deutsche Kaiserreich

1871 n. Chr. – 1918 n. Chr.

Das Deutsche Kaiserreich bestand von der Reichsgründung im Januar 1871 bis zur Abdankung von Kaiser Wilhelm II. im November 1918 am Ende des Ersten Weltkriegs. Es war der erste echte deutsche Nationalstaat und entstand als konstitutionell-monarchischer Bundesstaat unter preußischer Führung. Geprägt war diese Epoche durch eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung, die Deutschland in kürzester Zeit von einem Agrarstaat zu einer der führenden Industrienationen der Welt katapultierte. Gleichzeitig war die Gesellschaft tief gespalten zwischen dem konservativ-militärischen Establishment und der wachsenden Arbeiterbewegung. Außenpolitisch wandelte sich das Reich von einem defensiven Bündniszentrum unter Kanzler Otto von Bismarck zu einer aggressiven Weltmacht unter Wilhelm II. Dieser imperiale Machtanspruch und das rigorose Wettrüsten führten letztendlich in die Isolation und den Ersten Weltkrieg. Nach vier entbehrungsreichen Kriegsjahren brach das Reich im Zuge der Novemberrevolution 1918 zusammen. Die Monarchie endete, und der Weg für die erste deutsche Demokratie, die Weimarer Republik, war frei.

Mehr erfahren →